Archiv der Kategorie 'Searchlight'

Searchlight im März: Rechtsterrorismus

“Kein 10. Opfer!”? – Nationalsozialistischer Untergrund, Rechtsterror und die Rolle des Staates.

Die politischen Ziele der Neonazis sind in ihrem Kern immer verbunden mit Gewalt, Terror und Vernichtung. Dem Terror des historischen NS kam die Aufgabe zu, politische und „rassische“ GegnerInnen auszuschalten oder zu vernichten. Ähnlich agiert der neonazistische „Nationale Widerstand“ heute, wenn er sich Platz auf der Straße oder in den Kommunen verschaffen will: Er nimmt die „Volksfeinde ins Visier“ und droht ihnen mit dem Tod. Oder ermordet sie sogar. Bei der Suche nach einer Antwort darauf, warum die Neonazigruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) den Weg in den bewaffneten Untergrund genommen hat, muss sich mit ihrem Ausgangsort beschäftigt sowie das politische Milieu und damit ihr geistiger und aktionistischer Erfahrungsraum in den 1990er Jahren beschrieben werden. Dass die staatlichen Behörden die Existenz dieser terroristischen Gruppierung jahrelang nicht aufgedeckt haben, liegt schließlich auch in der unzureichenden behördlichen Analyse dessen, was eine neonationalsozialistische Bewegung und ihr gewalttätiges Potenzial ausmacht.

Der Vortrag wird sowohl den historischen als auch den aktuellen politischen Kontext des „Rechtsterrorismus“ beleuchten und die inhaltlichen Entwicklungslinien aufzeigen. Es soll versucht werden, auf einige der vielen offenen Fragen rund um den Komplex „NSU“ Antworten zu geben, obwohl sehr viele der öffentlich bekannten Erkenntnisse widersprüchlich sind und immer noch mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten.

mit ReferentInnen des Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum e.V. (apabiz) aus Berlin.

Donnerstag, 22. März 2012 // 20.00 Uhr
Club Courage // Friedensstraße 42 // Münster

Die VeranstalterInnen behalten sich vor Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Searchlight im Februar

„Was ein rechter Mann ist…“ Männlichkeiten im Rechtsextremismus

Extrem rechte Kameradschaften gelten als Männerbünde schlechthin; das öffentliche Bild und der mediale Blick auf extrem rechte Aktivitäten sind vom Stereotyp der männlichen Schläger bestimmt; laut Polizeistatistiken werden Gewalttaten zu großen Teilen von Männern begangen. Die männliche Dominanz in der extremen Rechten wird jedoch selten reflektiert. Die Referent_innen wollen diese Leerstellen füllen und die Verknüpfung von extremer Rechter und Männlichkeit näher beleuchten.

Es referieren zwei der Herausgeber_innen des gleichnamigen Buches, das als Nr. 68 der Reihe „Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung“ erschienen ist. Das Buch kann als pdf bei der RLS kostenlos heruntergeladen werden. Im Rahmen der Veranstaltung stellen sie ihren Sammelband zur Diskussion.

Donnerstag, 24. Februar 2011 // 20.00 Uhr
Club Courage // Friedensstraße 42 //Münster

Die Veranstaltung wird vom AStA der FH sowie der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt.

Searchlight im März

Vom Rassismus der Machteliten. Versuch einer vorläufigen Bilanz der “Sarrazin-Debatte”

Vom “dummen Kopftuchmädchen” bis zum “Juden-Gen”: Kaum jemals haben offen rassistische, antisemitische Ressentiments eine solch massenhafte Verbreitung in der deutschen Öffentlichkeit gefunden wie in der Debatte um die Pamphlete des Ex-Bundesbankers Thilo Sarrazin. Neu ist nicht der Inhalt: Viele von Sarrazins Behauptungen sind seit Jahren aus Publikationen der extremen Rechten bekannt. Neu ist, dass Teile der deutschen Machteliten und deshalb auch Leitmedien und renommierte Verlage auf den rassistischen Zug aufspringen. 1,2 Millionen Exemplare des Sarrazin-Buchs hat der Bertelsmann-Konzern bis lang verkauft.

Die Aufregung ist mittlerweile abgeflaut – Zeit, Bilanz zu ziehen. Was ist anders nach der “Sarrazin-Debatte”? Hat sie der extremen Rechten genutzt? Wird sich eine Partei rechts der Union etablieren? Was bezwecken die deutschen Machteliten mit der Öffnung massenmedialer Schleusen für übelste Ressentiments gegen migrantische Unterschichten?

Es referiert der freie Journalist Jörg Kronauer.

Donnerstag, 17. März 2011 // 20.00 Uhr
Club Courage // Friedensstraße 42 //Münster

Searchlight im April

NS -Täter_innen vor Gericht

Im April 2011 ist eine Entscheidung im Fall des 90-jährigen John Demjanjuk zu erwarten, der als ehemaliger „ausländischer Hilfswilliger“ der SS wegen Beihilfe zum Mord an 27.900 Jüdinnen und Juden im Vernichtungslager Sobibor in München vor Gericht steht. Auch wenn die deutsche Justiz derzeit einen überraschenden Verfolgungswillen an den Tag zu legen scheint, verlief die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen in der BRD zögerlich und schleppend. Nur ein Bruchteil der Täter und Täterinnen musste sich vor Gericht verantworten, die große Mehrheit entging einer Strafverfolgung.

Der Vortrag gibt einen Überblick über den juristischen Umgang mit NS-Täter_innen in der BRD und geht dabei auch vergleichend auf andere europäische Staaten ein. Dabei wird die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in ihren jeweiligen zeithistorischen Kontext gestellt und ein Blick auf die Täter_innenbilder geworfen, die der Nachkriegsgesellschaft zur Abgrenzung und Exkulpation dienten. Außerdem wird am Beispiel des Düsseldorfer Majdanek-Prozesses (1975-1981) auch eine geschlechtergeschichtliche Perspektive auf NS-Täterschaft eingenommen.

Die Referentin ist Historikerin am Institut für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Düsseldorf.

Donnerstag, 14. April 2011 // 20.00 Uhr
Club Courage // Friedensstraße 42 //Münster

Film über Geert Wilders

Teil 2; Teil 3; Teil 4

Niederländische AntifaschistInnen haben einen Film über Geert Wilders auf Deutsch untertitelt. Da der Film aus Zeitgründen nicht mehr bei unserer sonntäglichen Vortragsveranstaltung mit Tim de Beer gezeigt werden konnte, haben wir ihn hier verlinkt. Der Film besteht aus vier Teilen. Die Vortragsveranstaltung, die erstmals in Kooperation mit der Jugendantifa Münster stattfand, war gut besucht; die Diskussionen spannend. Die Jugendantifa servierte Kaffee, Tee, Waffeln und Kuchen. Wir freuen uns auf das nächste „Cafè JAM“.

Searchlight im Oktober


Am 3. August 2009 wurde eine 45-jährige alleinerziehende Mutter im nordostungarischen Ort Kisleta von Neonazis erschossen. Der Grund: Sie war Roma. Bei Angriffen auf Roma starben in den letzten Jahren mindestens acht Menschen. Schlagzeilen machte in diesem Zusammenhang auch die „Ungarische Garde“, eine paramilitärische Organisation, die stark an die deutsche SA erinnert. Die Angriffe und die „Garde“ sind Ausdruck eines immer stärker werdenden Rechtstrends, der seinen vorläufigen Höhepunkt bei den Parlamentswahlen in diesem Jahr fand. Die extrem rechte Partei „Jobbik“ erhielt 16,7 Prozent der abgegebenen Stimmen, obwohl bzw. weil sie revanchistische Ziele wie ein „Großungarn“ verfolgt und sich gegen Roma und das „jüdische Kapital“ stellt. „Jobbik“ gilt als der parlamentarische Arm der „Garde“. Ihre Positionen sprechen in Ungarn Mehrheiten an. Nach Umfragen meinen zwei Drittel der erwachsenen Bevölkerung, dass Juden in der Geschäftswelt in Ungarn zu mächtig seien. Auch der Wahlsieger 2010, die rechtskonservative „Fidesz“-Partei, bediente sich teilweise antisemitischer Stereotype, setzte aber vor allem auf nationalistische Parolen bei der Mobilisierung ihrer Wählerinnen und Wähler. An der Regierung versucht sie nun, das Land nach ihren Vorstellungen umzuformen.

Magdalena Marsovszky ist Kulturwissenschaftlerin aus Budapest und setzt sich seit einigen Jahren mit dem anwachsenden Antisemitismus in Ungarn und dem gesellschaftlichen Rechtstrend kritisch auseinander.

Donnerstag, 14. Oktober 2010 // 20.00 Uhr
Fachbereich Sozialwesen der FH //Hüfferstift
Hüfferstraße 27 // Raum 0.44

Die Veranstaltung ist Teil einer Vortragsreihe. Termine in anderen Städten in NRW, RLP und Hessen findet ihr hier (pdf).

Extra: Sonntags-Searchlight im November

Rechtsruck im Nachbarland. Die Erfolge der PVV in den Niederlanden

Aus den vorgezogenen Neuwahlen Anfang Juni ging Geert Wilders rechtpopulistische PVV als drittstärkste Kraft hervor. Ihre politische Propaganda richtet sich dabei vornehmlich gegen Menschen muslimischen Glaubens. Höhepunkt dieser Hetze war der von Wilders 2008 produzierte Kurzfilm „Fitna“, der ‚den Islam‘ pauschal als gewalttätig und unterdrückerisch diffamiert.

Die PVV gilt als politischer Nachfolger der „Liste Pim Fortuyn“, die 2002 bereits an der Regierung beteiligt war. Zusammen mit der rechtsliberalen VVD und den Christdemokraten der CDA strebt Wilders nun eine Rechts-Koalition an, zumindest eine Tolerierung scheint möglich.

Tim de Beer ist Mitglied von Antifascistische Actie aus den Niederlanden.

Sonntag, 14. November 2010 // 15.00 Uhr
Club Courage // Friedensstraße 42 //Münster

Searchlight im November

Was sind Studentenverbindungen und Burschenschaften?

Bunte Kappen auf dem Kopf, bunte Bänder über dem Oberkörper – gewöhnlich fallen Mitglieder von Studentenverbindungen in der Öffentlichkeit durch ihr eigentümliches Outfit auf. Bekannt sind Studentenverbindungen dafür, dass sie Seilschaften bilden und große Mengen an Bier konsumieren. Weniger bekannt sind einige Charakteristika, die in gesellschaftlicher und politischer Perspektive folgenreicher sind. Die meisten Studentenverbindungen sind reine Männerbünde, viele nehmen auch keine Migranten auf, manche zelebrieren durch Zweikämpfe mit scharfen Waffen (Mensuren) ihr antiquiertes Macho-Männerbild – und alle sind sie strukturkonservativ und tendenziell autoritär. Von ihrer Geschichte ganz zu schweigen: Viele Verbindungsstudenten wirkten an der Nazifizierung der deutschen Universitäten mit und bekämpften schon in den 1920er Jahren die noch junge Weimarer Demokratie. Manche von ihnen, insbesondere Burschenschafter, sind heute wieder in der extremen Rechten aktiv und ergreifen Partei für die NPD.

Der Journalist Jörg Kronauer informiert über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den zahlreichen Arten von Studentenverbindungen in Deutschland, gibt einen kurzen Überblick über ihre Geschichte und beleuchtet die Kontakte zur extremen Rechten.

Donnerstag, 18. November 2010 //20.00 Uhr
Club Courage // Friedensstraße 42 // Münster

Searchlight im Dezember

Vergessene Opfer. Die NS-Politik gegen so genannte Asoziale

Im Vergleich zu anderen Opfergruppen der nationalsozialistischen Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik erfahren die so genannten Asozialen noch immer wenig Beachtung. Als „asozial“ wurden während des Nationalsozialismus die unterschiedlichsten sozialen Randgruppen verfolgt und in KZ`s, Gefängnissen und Arbeitshäusern interniert. In den Konzentrationslagern wurden sie mit einem schwarzen Winkel gekennzeichnet. Als „asozial“ galten Bettler, Arbeitslose, Obdachlose, Prostituierte, Homosexuelle, sozial unangepasste Jugendliche und andere an bürgerlichen Wertevorstellungen nicht angepasst lebende Personen.
Besonders Frauen traf eine doppelte Diskriminierung: Als „asozial“ diskriminierte Frauen wurden aus den unterschiedlichsten „Gründen“ in KZ`s inhaftiert. Dabei war die Stigmatisierung der Frauen stark sexualisiert, ihnen wurde Prostitution oder ein liederlicher Lebenswandel vorgeworfen. Gerade diese als asozial geltenden Frauen waren es die von der SS zur Sex-Zwangsarbeit in den Lagerbordellen gezwungen wurden.
Als sozial unangepasst geltende Jugendliche aus Einrichtungen der Fürsorge oder Jugendliche, deren Eltern als AlkoholikerInnen oder aus anderen Gründen als „asozial“ galten, wurden in den Jugendkonzentrationslager Moringen und Uckermark eingesperrt. Die Charakterisierung von normabweichendem Verhaltens als „asozial“ ermöglichte dem sozialdarwinistischen Rassismus eine Differenzierung innerhalb der „Volksgemeinschaft“ und somit den Ausschluss so genannter „Minderwertiger“ aus dem „Volkskörper“.
Der Vortrag zeichnet die Verfolgung der so genannten Asozialen im Nationalsozialismus nach und versucht dabei auch deren Vorgeschichte und Kontinuitäten in den Blick zu nehmen. Auch die gesellschaftliche Funktionsweise der Ausgrenzung und Stigmatisierung sozialer Randgruppen soll analysiert werden.

Donnerstag, 16. Dezember 2010 // 20.00 Uhr
Club Courage // Friedensstraße 42 // Münster